Das Stammesgebiet der Samburu liegt in der zentralafrikanischen Hochebene im
regenarmen Norden Kenias und ist ca. 48.000 qkm groß (etwa zweimal so groß wie
Hessen).
Unser Projektgebiet, die Region Baawa um Maralal, besteht aus 10 Streusiedlungen. Dort
leben rund 1.200 Familien (ca. 10.000 Menschen) überwiegend von Viehzucht und
Landwirtschaft.
Von einigen Bergzügen abgesehen, gibt es in Baawa jährlich weniger als 250 Millimeter
Niederschlag pro qm. Konnte man früher wenigstens im Mai, August und Oktober auf
Regen hoffen, so fallen die Regenzeiten heute manchmal sogar ganz aus.
Es dominiert die Halbwüsten-Vegetation. Etwas üppigeren Pflanzenwuchs findet man
lediglich entlang der meist ausgetrockneten Flussbetten und an den wenigen bergigen
Regeninseln. Das Klima mit zum Teil längeren Dürreperioden erschwert (ohne den
Einsatz von Bewässerungsanlagen) den Anbau von Mais, Bohnen, Hirse und anderen
Früchten erheblich.
Die Samburu sind eng mit den Massai verwandt, sie sprechen die gleiche Maa-Sprache.
Auch viele Rituale sind bei beiden Völkern identisch. Die Bedeutung des Namens
„Samburu“ ist umstritten. Einigen zufolge stammt er von dem Massai-Wort „osampurumpuri“,
das „Schmetterling“ bedeutet, ab. Anderen zufolge ist er eine Ableitung
des alten Massai-Wortes „e-sampur“, was „Beutel“ heißt.
Bevor es
das heutige Kenia (mit willkürlich gezogenen Grenzen) gab, lebten Samburu und Massai
eng zusammen. Heute leben die Massai vornehmlich im Süden Kenias nahe der Masai
Mara und der Serengeti, während die Samburu im Norden Kenias zu Hause sind.
Besonders bedeutsam für das Leben der Samburu waren / sind folgende Einschnitte in ihr ursprüngliches Nomadenleben:
Die Veränderung der Lebensräume: Das seit Jahrhunderten gelebte Gleichgewicht
zwischen Menschen und Natur ist in großen Teilen zerstört. Die Samburu müssen sich mit
immer mehr Menschen und Vieh einen immer kleiner werdenden Lebensraum teilen und
das Nomadenleben aufgeben. Diese Anpassung wird durch den Klimawandel und die
damit verstärkt auftretenden Dürren zusätzlich erschwert.
Eng mit den Massai verwandt, haben die Samburu eine alte Kultur als Nomaden mit festen
Regeln und Traditionen für die Arbeit und das Zusammenleben. Nun sind sie gezwungen,
sich einem neuen Leben zu stellen, sesshaft zu werden, Ackerbau zu betreiben, der Erosion
und dem Klimawandel zu begegnen … – ein langer und schwerer Weg, der ohne Hilfe von
außen kaum zu schaffen ist.
Die Adaption an das Bildungszeitalter: Bildung und persönliche Weiterentwicklung
werden immer wichtiger, um zukünftig neue Ressourcen und Lebensformen zu
erschließen, die ein Leben auch unabhängig von Ackerbau und Viehzucht ermöglichen.
Dazu gehören sowohl das Erlernen von handwerklichen Fähigkeiten als auch der
Wissenstransfer von Beginn an in Kindergärten bis zu Grundschulen und Hochschulen.
Verminderung des Bevölkerungswachstums: Das stetige Bevölkerungswachstum in
Afrika stellt gemäß der WHO und der OECD eines der größten Anforderungen in den
nächsten Dekaden dar. Heute leben in Afrika rund 1,2 Mrd. Menschen, innerhalb der
nächsten 25 Jahre soll sich die Zahl auf 2,5 Mrd. Menschen verdoppeln. Die Schaffung der notwendigen Ressourcen und Infrastrukturen wird mit dem Bevölkerungswachstum nicht Schritt halten können, daher ist der
Schlüssel zum Erfolg die kontinuierliche Steigerung der Bildung und einer
verbesserten Nahrungsversorgung. Dadurch wird gewährleistet, dass die Menschen sich
im Alltag wie auch im späteren Alter selbständig durch Arbeit und Wissen versorgen
können und nicht mehr auf die Versorgung durch eine Schar von Kindern angewiesen sind.
In Baawa liegt heute der durchschnittliche Anteil bei rund 5–7 Kinder pro Familie. Deshalb
wollen wir den Samburu auf der Grundlage von „Hilfe zur Selbsthilfe“ dabei helfen, Hunger
und Umweltzerstörung zu vermindern, ihr Eigenengagement steigern und ihre
Weiterentwicklung begleiten, indem wir unser Know-how mit einbringen, Projekte
gemeinsam planen und anstoßen und deren Finanzierung mit ermöglichen.
Dabei ist auch immer eine Eigenbeteiligung der Gemeinden, Schulen oder der Regierung
vor Ort gefordert, ohne diese die Projekte nicht realisiert werden. Wir unterstützen damit
auch den Ansatz der deutschen Bundesregierung und aller Parteien, dass eine Hilfe in
erster Linie vor Ort in Afrika und in den angestammten Lebensräumen der Menschen zu
erfolgen hat und dass diese langfristig und nachhaltig wirken muss.
Die SamburuHilfe steht für diesen Ansatz und macht ihn zum Mittelpunkt ihres Handelns.