Ernährung (Landwirtschafts- und Wassermanagement)

Trinkwasserversorgung
Aufgrund der stetig zunehmenden klimatischen Veränderungen mit längeren Dürreperioden und der massiven Auswirkungen auf die Versorgung mit Trinkwasser haben wir seit 2020 die Herausforderung angenommen, den Menschen der Samburu auf der Grundlage unserer Philosophie „Hilfe zur Selbsthilfe“ dabei zu helfen, den Zugang zu sauberem und sicherem Trinkwasser zu verbessern. Wir bringen unser Know-how und Projektmanagement ein, entwickeln gemeinsam Projekte und ermöglichen deren erfolgreiche Umsetzung durch Finanzierungen mit Partnern und Sponsoren.

Gemäß unseren Ergebnissen aus der Machbarkeitsstudie zur Trinkwasserversorgung (2021), ist die gesamte Wasserversorgung im Projektgebiet auf eine neue Grundlage zu stellen, um ein sauberes und sicheres Trinkwasser für die Menschen in Baawa zu ermöglichen. Ein wesentliches Element stellt dabei das Bohren nach neuen Tiefbrunnen und auch die Verlegung von Pipelines dar, um die Wasserqualität zu verbessern und die Wasser-Kioske näher an die Streusiedlungen und Menschen zu bringen (Wegstrecken ca. 2–5 km). Die räumliche Nähe wird ein immer wichtigerer Faktor, da ansonsten die Menschen teilweise dazu neigen, Wasser aus näher gelegenen Teichen zu holen. Das Wasser aus den vorhandenen Bohrlöchern und offenen Teichen in unserem Projektgebiet hat aufgrund des hohen Mineralgehalts (u.a. Fluorid) und der Verkeimung mit  E.coli-Bakterien keine Trinkwasserqualität nach den geltenden WHO-Standards. Ein Abkochen des Trinkwassers mit Feuerholz ist geboten, da ansonsten Magen- und Darmkrankheiten entstehen. Nach neuesten Studien vor Ort können nur ca. 50 % der Menschen das Wasser vorher kochen, alle anderen verwenden das Wasser direkt. Damit geht eine erhebliche gesundheitliche Belastung der Menschen einher, die insbesondere kleine Kinder mit nicht voll entwickeltem Immunsystem trifft. Dies zeigt sich auch in der Anzahl der Magen- und Darmbehandlungen in der Krankenstation vor Ort.

2024 haben wir im Projektgebiet begonnen, eine neue Brunnenanlage zu konzipieren. Es wurde mithilfe von geologischen Untersuchungen ein Spot ermittelt, der über eine ausreichende Wassermenge verfügt (ca. 7 cbm pro Stunde aus einer Tiefe von 110–180 m) und der auch bei Dürreperioden ausreichend Wasser liefert. 2025 wurde die neue Brunnenanlage fertig gestellt und in Betrieb genommen. Das Wasser wird aus verschiedenen Wasserleitern gefördert, auf ein Standsystem mit zwei Tanks gepumpt und dort gespeichert. Vor der Abgabe im Wasserkiosk wird das Wasser in einer UV-Anlage keimfrei gemacht, sodass keine Bakterien aufkommen können. Die dafür notwendige elektrische Energie wird über eine Photovoltaikanlage mit Wechselrichter erzeugt. Das Wasser kann anschließend über vier verschiedene Wasserhähne gezapft werden. Der Preis für einen Kanister mit einem Fassungsvermögen von 20 L beträgt 5 KES, das entspricht ca. 3 Cent.
Landwirtschaft
Seit 2020 unterstützen wir verschiedene Frauengruppen, um eine Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung und auch Eigenständigkeit der Frauen zu ermöglichen. Die beiden Frauengruppen an den Standorten Baawa Dam und Lkiloriti mit jeweils 15 Frauen bauen verschiedene Früchte und Gemüse in einem Gewächshaus und auf angrenzenden Freiflächen an.

Die Bewässerung der Felder erfolgt über Pipelines in verschiedene Tanks und von dort über Tropfschlauchbewässerung auf die Felder. Die Maßnahme hat die Lebensbedingungen der Familien deutlich verbessert, da nun ganzjährig Feldanbau betrieben werden kann. Neben dem Eigenbedarf wird das Gemüse auf den umliegenden Märkten verkauft, was wiederum ein kleines eigenständiges Einkommen für die Frauen ermöglicht. Diese setzen das Geld für die Versorgung ihrer Kinder und als Eigenanteil bei Instandhaltungsmaßnahmen ein.
 
Julietta Leleruk, eine studierte Agrarwirtschaftlerin, haben wir in 2023 kennen gelernt, da sie mit Ihrer Familie aus einem ca. 50 km entfernten Ort nach Baawa gezogen ist. Sie ist Imkerin und hat viel Erfahrung mit der Herstellung von Bienenhonig und im Feldanbau. Über Ihre Schwester ist sie zu der Frauengruppe Baawa Dam gestoßen.
Julietta kümmert sich um die beiden Gewächshäuser und ist eine wichtige Unterstützung beim Erlernen der richtigen Feldbewirtschaftung und auch beim Einsatz von Pestiziden. Zu ihren Aufgaben zählen der Anbau, die Durchführung der Feldbewässerung und der Verkauf von Feldfrüchten.

Die Frauen sind sehr engagiert und haben seitdem große Fortschritte im Bewirtschaften der Gewächshäuser und der Felder gemacht. Mit dem Wissensaustausch um den Feldanbau und die richtige Bewässerung der Flächen werden nun ganzjährig viele verschiedene Gemüsesorten wie Tomaten, Paprika, Kohl, Spinat, Lauch, Mangold, Möhren und Zwiebeln angebaut und geerntet.
Aktuelle Erfolge und Maßnahmen
2025 wurden ca. 3.000 kg Tomaten aus dem Gewächshaus Baawa Dam geerntet und zum Großteil auf den Märkten und in Direktvermarktung verkauft. Durch die Einnahmen konnten die Frauen die Bewässerung verbessern, die Erweiterung des Geländes durchführen und auch erstmals eigene Finanzmittel erwirtschaften. Dadurch werden die Frauen unabhängiger und können sich gegenseitig helfen, wenn eine Familie für u.a. Schulkleidung für die Kinder Geld benötigt.

Das Gewächshaus Baawa Dam wurde in 2025 um eine Fläche von 1.000 qm erweitert. Dazu haben die Frauen das Areal selbständig gerodet und die Felder angelegt. Es wurde nun überall auf Tropfschlauch-Bewässerung umgestellt, was eine deutliche Verbesserung der Erträge und Reduzierung des Arbeitsaufwands mit sich bringt. Es wurde eine neue Generatorpumpe angeschafft, die das Wasser aus dem angrenzenden Teich über Rohrleitungen in die verschiedenen Tanks pumpt. Durch das neue, fest installierte Rohrsystem gelangt das Wasser aus den Tanks in die Tropfschläuche. Das ist eine deutliche Vereinfachung für die Bewirtschaftung der Felder durch die Frauen, da sie nun nur noch die Hähne aufdrehen müssen. Zusätzlich werden die Wasserressourcen geschont, da das Wasser direkt zur Wurzel der Pflanze geleitet wird, dort direkt aufgenommen werden kann und somit viel weniger Wasser verdunstet. Das zusätzliche Feld wurde im Zuge der Erneuerung der Wasserversorgung umzäunt.
Auch für das Gewächshaus in Lkilotiti wurde eine neue Generatorpumpe angeschafft, die das Wasser aus dem Teich über fest verlegte Rohrleitungen in die verschiedenen Tanks in 100 m Entfernung pumpt. Von dort aus werden das Gewächshaus, die (Außen-)Felder ebenfalls über Tropfschlauchsysteme mit Wasser gezielt versorgt und bewässert. Das Schleppen von Wasser in Kanistern auf die Felder und das Gießen mit Gießkannen ist nun vorbei!

Nachdem wir Julietta auch für diese Frauengruppe gewinnen konnten, haben die Frauen im Frühjahr damit begonnen, ebenfalls Tomaten anzubauen. Dass die Frauen in Baawa Dam 3.000 kg Tomaten geerntet haben, hat sich auch bis hierhin rumgesprochen – „Learning by doing“ und erleben, was andere machen und womit diese Erfolg haben, spornt sehr zur Nachahmung an!
Eine weitere sehr aktive Frauengruppe ist Anfang 2025 mit dem Wunsch an uns herangetreten, ein Wasserreservoir zu errichten, um das Regenwasser aufzufangen und damit einen Teil ihrer Felder bewässern zu können.

Der Pool, der ausschließlich durch das Auffangen von Regenwasser in den Regenzeiten gespeist wird, hat ein Fassungsvermögen von rund 150.000 L. Das Hangwasser wird bei Regen in einen Kanal geleitet und dann in einen Einlauf geführt, der den Pool befüllt. Das Dach sorgt für Sicherheit und verhindert maßgeblich den Wasserverlust durch Verdunstung.

Die Männer der Frauengruppe haben in Eigenleistung den 8 x 8 x 2,5 m großen Pool ausgehoben und danach aktiv geholfen, die weiteren Erdarbeiten zu erledigen. Der Bau selbst wurde von einem Spezialisten durchgeführt, der sich auf Feldbewässerung spezialisiert hat. Herr Abraham Waimiri hat hierbei gute Pionierarbeit geleistet.

Das ca. 3.500 qm große Feld, auf dem Wassermelonen und andere Früchte angebaut werden sollen, wurde mit Tropfschläuchen ausgestattet. Das Wasser wird mittels Pumpe aus dem Pool in den Tank gepumpt und läuft dann in die Schläuche – die Menschen können somit erstmals ein Feld direkt bewässern.

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